Datum: 21.06.2010
In die anhaltende Diskussion um die Rating-Agenturen kommt neuer Schwung. Erst kürzlich hat der Gouverneur der französischen Zentralbank, Christian Noyer, vorgeschlagen, neben den amerikanischen Platzhirschen nun auch europäische Rating-Agenturen zu etablieren. Innerhalb der deutschen Regierung wird dieser Vorstoß überwiegend positiv aufgenommen. Doch fangen wir erst einmal von vorne an. Generell besteht die Aufgabe einer Rating-Agentur darin, die Kreditwürdigkeit von potenziellen Schuldnern zu überprüfen und daraus eine Bewertung für Kapitalanleger herzustellen. Ein Land mit sehr guter Bonität gilt als hoch solide, eine Investition in seine Staatsanleihen als risikolos. Die Beurteilung der potentiellen Schuldner wie Unternehmen oder auch Staaten erfolgt hierbei nach strengen, objektiven Kriterien und wird permanent überprüft – so zumindest die Theorie.
Mitschuld an der Bankenkrise
Vielleicht erinnern Sie sich noch: Nach dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 rückten auch die Rating-Agenturen als mitschuldige Akteure in den Blickpunkt und stehen seitdem unter harscher Kritik. Der Vorwurf lautet zusammengefasst, dass sie spekulative Finanzprodukte und angeschlagene Unternehmen mit besten Ratings versehen haben und damit die hohen Risiken verschleiert haben. Ob absichtlich oder unwissentlich sei mal dahingestellt. Kleines Beispiel: Die Rating-Agentur Fitch hatte die Pleitebank Lehman Brothers noch am Tag ihres Zusammenbruchs mit der drittbesten Note (A+) bewertet! Als spätere Folge kam unter anderem auch die Mittelstandsbank IKB ins Taumeln. Nämlich dann, als die Rating-Agenturen ihre Fehler korrigierten und somit zweifelhafte Wertpapiere in der Bilanz der IKB innerhalb kurzer Zeit extrem an Wert verloren.
Verschärfung der Schuldenkrise
Daneben wird in letzter Zeit ebenfalls die Abstufung einzelner Länder kritisch gesehen. Verschiedene Rating-Agenturen hatten in den vergangenen Monaten südeuropäische Länder herabgestuft und damit die Euro-Krise verschärft. Hintergrund ist, dass es für die betreffenden Länder nun schwerer geworden ist, ihre Staatsanleihen abzusetzen, über die sie ihre Schulden finanzieren. Griechenland oder Spanien müssen für ihre Kredite jetzt zudem höhere Zinsen zahlen, da das Risiko - abgeleitet von den Qualitätsurteilen der Agenturen - höher erscheint. Wirtschaftsexperten und Politiker sehen darin einen Hauptgrund für die Turbulenzen an den Anleihemärkten. Aus Sicht der Agenturen ist dieses Vorgehen allerdings verständlich, schließlich wurden sie zuvor für ihre laxe und viel zu späte Überprüfung der Ratings heftig kritisiert. Nun agieren sie strenger (nach Meinung vieler Experten zu streng), um nachher nicht wieder attackiert werden zu können. Das größte Problem liegt allerdings darin, dass europäische Länder und Unternehmen kritischer beurteilt werden als amerikanische. So lautet zumindest die Vermutung europäischer Wirtschaftverbände.
Amerikanische Agenturen dominieren
Weltweit gibt es drei große Rating-Agenturen, die den Markt für Bonitätsbewertungen quasi komplett unter sich aufteilen. Da wäre zum einen die Agentur Fitch mit einem Unternehmenssitz in New York, dann die auch in New York ansässige Rating-Agentur Moody's und dann noch Standard & Poor's - Hauptsitz ebenfalls in New York. Klingelt`s? Kritiker werfen den Agenturen vor, amerikanische Schuldner stets mit einer besseren Note zu versehen, obwohl tendenziell ähnliche Probleme wie in Europa bestehen (als Beispiel sei an dieser Stelle Kalifornien genannt).
Gegengewicht für mehr Wettbewerb
Vor dem Hintergrund der unter anderem durch die Rating-Agenturen ausgelösten Finanzkrise fordern nun immer mehr Politiker ein europäisches Pendant zu dem amerikanischen Oligopol. Erst vor wenigen Tagen betonte Christian Noyer, Gouverneur der französischen Zentralbank, dass der Ratingmarkt relativ leicht durch neue Wettbewerber belebt werden könnte. Kreditversicherer wie Euler-Hermes oder Coface könnten seiner Meinung nach leicht eigene Ratings ausgeben, da die Kreditversicherer sowieso das nötige Wissen und entsprechende Erfahrungen in dem Bereich hätten.
Zahlreiche Experten begrüßen den Vorschlag zur Einrichtung europäischer Rating-Agenturen. „Dies fördert den Wettbewerb und könnte helfen, bestehende Schieflagen in der Bonitätsbewertung zwischen Europa und den USA zu beenden“, lobt zum Beispiel Andreas Rees, Chefvolkswirt der UniCredit, die Idee. Zwar seien einige europäische Länder in den vergangenen Wochen zu Recht herabgestuft worden, doch die USA würden weiter bevorzugt, hieß es folgend. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich positiv zu dem Entwurf aus Frankreich. Er begrüße die Pläne zum Aufbrechen der Marktmacht der Agenturen, so Schäuble.
Ob ein europäisches Gegengewicht dann tatsächlich objektiver über die Schuldner werten würde, mag ich selbst nicht beurteilen. Auf jeden Fall würde jedoch mehr Wettbewerb entstehen und somit der Markt ordentlich aufgerüttelt werden. Alleine schon aus diesem Grund hoffe ich auf das Durchsetzten des angesprochenen Vorschlags. Daumen drücken ist angesagt.
Datum: 15.06.2010
Das vergangene Jahr war sicherlich kein leichtes für die Windenergiebranche. Wie in fast jedem Industriezweig brachen aufgrund der Finanzkrise auch bei Herstellern und Zulieferern der Windenergiebranche Aufträge weg, Kreditverhandlungen wurden schwieriger und Überkapazitäten drückten auf die Preise. Anlässlich der internationalen Windenergiekonferenz, die aktuell in Istanbul stattfindet, verbreiten Vertreter der Branche nun jedoch wieder Optimismus. Alleine in Deutschland wird demnach bis 2030 mit einer Verdreifachung der Windenergiekapazitäten gerechnet. Für Anleger könnte sich ein Investment in dem Sektor lohnen, denn die Aktien sind bislang noch nicht wesentlich angesprungen.
Branchenexperten zuversichtlich
Zahlreiche Vertreter der grünen Branche verkündeten in den vergangenen Tagen und Wochen nun wieder einen neuen Boom ihres Geschäftszweigs und erwarten innerhalb der nächsten Jahre deutliche Wachstumsraten. Sind diese Ankündigungen nur dem Zweckoptimismus zuzuordnen oder sind die positiven Aussichten tatsächlich begründet? Die Chancen für einen neuen Aufschwung der Branche stehen nicht schlecht. Das große Potential wird unter anderem mit dem Wachstum im Reich der Mitte begründet: China will in Sachen alternative Energien ordentlich aufrüsten und legt dabei einen Schwerpunkt auf die Windenergie. Bereits im vergangenen Jahr erzeugte das Land mehr Windenergie als jedes andere Land der Welt. Nach Meinung der Experten vom Global Wind Energy Council (GWEC) werde China im Jahr 2014 sogar mehr Windenergie erzeugen als ganz Europa. Des Weiteren werden die Windparks immer leistungsfähiger und können Strom mittlerweile zu sehr günstigen Preisen produzieren.
Windaktien mit Nachholpotential
Die Aktien der Branche spiegeln die neuerlichen Wachstumsperspektiven bislang nicht wider. Zu stark sind die Belastungen durch die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise gewesen. Der Vorstandschef des dänischen Windenergiespezialisten Vestas Wind Systems, Ditlev Engel, räumte kürzlich ein, dass das Geschäft im vergangenen Jahr regelrecht abgestürzt sei und erst langsam wieder anziehe. Solch ein Statement dürfte für die gesamte Branche bezeichnend sein.
Bestätigen sich allerdings die neuerlichen Indikatoren um einen Trendwechsel, so könnten sich für Anleger aussichtsreiche Investmentchancen bieten, denn einige Werte notieren momentan noch in der Nähe der Jahrestiefs. Auch aus charttechnischer Sicht hat sich die Situation vieler Windaktien wie Nordex SE, Repower Systems AG oder PNE Wind AG verbessert.
Nordex erwartet Auftragssprung
Nach dem Industriegiganten Siemens ist auch Nordex eines der führenden deutschen Unternehmen auf dem Windenergiemarkt. Das Unternehmen mit Sitz in Rostock bezeichnet sich selbst als führender internationaler Hersteller von Windkraftanlagen. Nordex entwickelt und produziert technologisch sehr anspruchsvolle Windkraftanlagen und hat sich darüber hinaus auch als Dienstleister für die Branche etabliert. Die Rostocker erwarten für das laufende Jahr mit einem Plus von 60 Prozent deutlich anziehende Auftragseingänge. Erste positive Anzeichen für ein Anziehen des Neugeschäfts seien laut Nordex-Vorstandschef Richterich im April verzeichnet worden.
Auch das Chartbild der Nordex-Aktie hellt sich zunehmend auf. Nach den herben Kursverlusten seit Anfang des Jahres konnte die Aktie in den vergangenen Wochen einen Boden im Bereich zwischen sieben und acht Euro bilden. Mit dem Ausbruch über die Marke von acht Euro hat der Wert heute eine wichtige Widerstandszone nach oben verlassen können und gleichzeitig ein Kaufsignal generiert. Jedoch besteht bei rund 8,50 Euro der nächste charttechnische Widerstand. Sollten sich die positiven Nachrichten um das Unternehmen bestätigen bzw. weiter anhalten, so könnte sich der Kurs jedoch auch schnell über der genannten Widerstandszone etablieren. Aufgrund des risikobehafteten Umfelds sollten Anleger ein mögliches Investment allerdings stets mit einem Stop-Loss im Bereich um sieben Euro absichern.
Datum: 11.06.2010
Endlich ist es soweit: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 startet. Die Eröffnungsfeier war wunderschön und das erste Tor ist bereits gefallen. Die Deutsche Nationalmannschaft bestreitet am Sonntagabend ihr erstes Spiel gegen Australien. Grund genug, sich das Land etwas näher anzuschauen – auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Ein genauerer Blick auf Australien könnte sich auch für Anleger lohnen, denn der (flächenmäßig) sechstgrößte Staat der Erde hat weit mehr zu bieten als Kängurus und Wombats.
Langjähriger Wirtschaftsaufschwung
Das Land Australien erlebte in den letzten Jahrzehnten einen unglaublichen Aufschwung. 16 Jahre in Folge verzeichnete die dortige Wirtschaft ein Wachstum, wobei die durchschnittliche Wachstumsrate bei jährlich 3,5 Prozent lag. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise erreichte natürlich auch Down Under. So erlebte die australische Wirtschaft im Jahr 2008 und 2009 eine deutliche Abkühlung des Wachstums, nach aktuellen Zahlen wurden aber beide Jahre noch im positiven Bereich abgeschlossen (Wirtschaftswachstum 2009 bei 0,8 Prozent).
Stabil durch die Krise
Der Unterschied zu den meisten westlichen Nationen dürfte klar sein: Während in vielen Ländern die Wirtschaft schrumpfte, konnte Australien zumindest noch ein kleines Plus ausweisen. Bereits für das Jahr 2010 rechnen Experten wieder mit einem deutlichen Anstieg der Wirtschaftsleistung. Die Zentralbank hat aufgrund der sich aufhellenden Wirtschaftslage den Leitzins bereits wieder deutlich angehoben, um der drohenden Inflationsgefahr entgegenzuwirken.
Starkes Land, starke Währung
Damit hat Australien die Wirtschaftskrise im Vergleich zu vielen anderen Ländern dieser Erde extrem gut überstanden. Die Banken waren und sind weitgehend solide kapitalisiert und hatten nur wenige Abschreibungen aus dem amerikanischen Immobilienmarkt zu tragen. Die australischen Unternehmen waren von der Finanzkrise bisher eher indirekt betroffen, vor allem durch weniger Bestellungen aus dem Ausland sowie dem Verfall der Rohstoffpreise. Die relative Stabilität des Landes lässt sich natürlich auch an der Währung messen. Der australische Dollar hat in den vergangenen Monaten an Wert gewonnen. Während man vor einem Jahr nur rund 0,58 Euro für einen australischen Dollar bezahlen musste, kostet dieser aktuell 0,70 Euro.
Rohstoffe satt
Neben der Fleisch- und Wollproduktion gehört die Förderung von Bodenschätzen zu den bedeutsamsten Wirtschaftssektoren des Landes. Der Landwirtschafts- und Bergbauanteil hat vor allem für die australischen Exporte eine enorme Bedeutung. Die wichtigsten Exportgüter sind Kohle, Eisenerz, Gold, Diamanten, Uran, Erdöl und Erdgas. Für Steinkohle ist Australien der weltweit größte Exporteur.
Kleine Schwachpunkte
Zu einem der wenigen Schwachpunkte der wirtschaftlichen Lage des Landes zählt das chronische Leistungsbilanzdefizit. Bei einem möglichen Wirtschaftsaufschwung würde Australien außerdem wahrscheinlich wieder vermehrt an Infrastrukturengpässen und einem Fachkräftemangel leiden.
Fazit: Australien als mögliche Depot-Beimischung
Durch seine langjährige, starke Wachstumsphase mit hohen Haushaltsüberschüssen ist Australien vergleichsweise gut gegen die Wirtschaftskrise gerüstet. Die Wirtschaft ist im Allgemeinen solide aufgestellt und zeigt wieder positive Wachstumstendenzen. Das Investitionsklima ist weiterhin von Zuversicht geprägt. Zukunftsbranchen wie die Informationstechnologie sowie die Bio- und Nanotechnologie spielen eine zunehmend große Rolle. Zudem gibt auch der enorme Rohstoff-Reichtum besonders in Krisenzeiten ein Stück Sicherheit. Immerhin stammen zwölf Prozent des Goldes auf dem Weltmarkt aus Australien und auch bei vielen anderen Rohstoffen besitzt das Land eine starke Bedeutung auf dem Weltmarkt.
Wie können Anleger nun von der wirtschaftlichen Entwicklung Australiens profitieren? Zunächst einmal bieten Anlagen in den australischen Dollar eine Absicherung gegen einen möglichen Verfall der europäischen Währung. Darüber hinaus sind bei Bestätigung der positiven Signale auch Investments in den australischen Aktienindex ASX möglich, zum Beispiel über einen Länder-Fonds.
Datum: 09.06.2010
Die Sorge um die europäische Gemeinschaftswährung ist momentan in aller Munde. Negative Nachrichten bezüglich der Schuldensituation einzelner Mitgliedsländer reißen nicht ab: Nach Griechenland werden auch kritische Stimmen zur Haushaltslage anderer europäischer Staaten immer lauter. Da verwundert es nicht, dass die Gemeinschaftswährung in den vergangenen Wochen fast täglich an Wert verloren hat. Erst kürzlich wurde die Marke von 1,20 Dollar nach unten durchbrochen. Kaum geschehen, treten schon wieder die Crash-Propheten auf den Plan und verbreiten Panik. Von einem weiteren Verfall bis hin zur Auflösung der Währungsunion gehen die wilden Spekulationen. Doch wie ist es um die Währung tatsächlich bestellt? Wie viel Pessimismus ist bereits im Euro-Kurs enthalten?
Schuldenkrise setzt Euro unter Druck
Seit dem Hoch der Europa-Währung im Sommer 2008 bei 1,6032 Dollar ging es aufgrund der Turbulenzen auf den Märkten kräftig bergab. Der Euro rutschte bis auf sein bisheriges Jahrestief am Montag dieser Woche bei 1,1879 US-Dollar. Ausschlaggebend hierfür waren diesmal neue Sorgen um die finanzielle Situation Ungarns. Zwar beruhigte der ungarische Wirtschaftsminister György Matolcsy mittlerweile die Gemüter mit seinem Versprechen, dass sein Land die mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarte Schuldengrenze von 3,8 Prozent (Haushaltsdefizit) im Jahr 2010 einhalten werde, insgesamt bleibt die Situation jedoch weiterhin angespannt. Die Nervosität ist an den Märkten nach wie vor unglaublich groß. Darüber hinaus bestehen unter einigen Investoren noch immer Zweifel an der Umsetzung der milliardenschweren Sparprogramme verschiedener Länder.
Intakter Abwärtstrend
Wie so oft wollen wir an dieser Stelle methodisch und rational an das Thema herangehen und die Situation mit Hilfe der Charttechnik analysieren. Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte: Bei einem Blick auf den Chart wird schnell klar, dass sich der Euro in einem Abwärtskanal befindet. Die obere Trendlinie besteht aktuell bei rund 1,29 Dollar, die untere Begrenzung liegt dagegen derzeit im Bereich von 1,18 Dollar. Somit befindet sich der Euro aktuell am unteren Ende des Trendkanals, was wiederum Luft für eine kurzfristige Erholung gibt.
Wichtige Chartmarken
Nach den herben Kursverlusten innerhalb der letzten Monate könnte kurzfristig zumindest eine kleine Erholungsphase möglich sein. Auch wenn der mittelfristige Abwärtstrend weiterhin völlig intakt ist, ergibt sich kurzfristig durchaus Potenzial nach oben – maximal bis zur oberen Kanallinie. Allerdings besteht ein erster charttechnischer Widerstand bereits bei 1,25 Dollar. Der Bereich um 1,18 / 1,19 US-Dollar dient dagegen als charttechnische Unterstützungszone.
Fazit: Kurzfristige Erholung möglich
Aktuell notiert der Euro bei 1,2026 US-Dollar. Sollte sich die Gemeinschaftswährung auch auf Tagesschlussbasis über der wichtigen Marke von 1,20 Dollar etablieren, ist ein weiterer Anstieg wahrscheinlich. Die Charttechnik signalisiert ein mögliches Aufwärtspotenzial bis in den Widerstandsbereich um 1,25 Dollar innerhalb der nächsten Tage oder Wochen. Aber Vorsicht: Bei diesem Szenario handelt es sich nur um einen kurzfristigen Rebound nach den herben Kursverlusten. Mittelfristig dominiert weiterhin der Abwärtstrend. Mögliche Investments sollten deshalb unbedingt mit einem Stop-Loss-Kurs bei rund 1,19 Dollar abgesichert werden. Spätestens bei dem Unterschreiten des letzten Tiefs (1,1879 Dollar) sollten die Long-Positionen aus Gründen der Risikobegrenzung unbedingt aufgelöst werden.
Datum: 25.05.2010
Die vergangene Woche zeichnete sich durch herbe Kursverluste und eine hohe Volatilität an den Märkten aus. Auch die Währungen dieser Welt verzeichneten extreme Ausschläge. In der aktuellen Handelswoche scheint es ähnlich zu werden, Investoren meiden weiterhin die Risikomärkte. Wie kommt es zu der weltweiten Verunsicherung?
Wie Sie den einschlägigen Medien der vergangenen Tage bereits entnehmen konnten, wird unter anderem der Regulierungsdruck für die Kursverluste verantwortlich gemacht. Der deutsche Vorschlag einer Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte sowie das in einer Nacht-und-Nebel-Aktion beschlossene Verbot ungedeckter Leerverkäufe von Anleihen und Finanzaktien belastete nicht nur den Deutschen Aktienindex, sondern sorgte auch im Ausland für Verunsicherung. Heute wurde zudem bekannt, dass die Bundesregierung das Leerverkaufs-Verbot auf alle deutschen Aktien ausweiten möchte. Anleger weltweit fürchten nun, dass weitere Regierungen unter dem Druck der Öffentlichkeit Maßnahmen der Finanzmarktregulierung beschließen könnten.
Die Märkte reagierten verwundert, vor allem weil das deutsche Short-Verbot so überraschend schnell beschlossen wurde und einem Verzweiflungsakt ähnlich sieht. Während die neuen Restriktionen bezüglich der Euro-Staatsanleihen durchaus eine marktstabilisierende Wirkung hatten, schürte das Leerverkaufsverbot auf Aktien der deutschen Finanzdienstleister jedoch die Angst der Anleger vor anstehenden Negativ-Schlagzeilen der Branche. „Warum sonst hatte es die Regierung damit so eilig?“, fragte ein Händler auf dem Parkett.
Der Vorschlag der Transaktionssteuer tat sein Übriges. Besonders verblüfft reagierten Anleger auf das unabgestimmte Vorgehen der Deutschen, eine einheitliche europäische Linie wäre wünschenswert gewesen. Die Verunsicherung führte selbstverständlich zu einem Abzug von Geldern aus risikoaffinen Märkten.
Wirkung der Maßnahmen sind umstritten
Eine grundsätzliche Steuer auf alle Finanztransaktionen würde nicht nur das Handelsvolumen verringern und so zu mehr Intransparenz auf den Märkten führen, sondern zusätzlich die Falschen treffen. Leiden würden zum Beispiel auch alle privaten Fondssparpläne, die für den Aufbau einer privaten Vorsorge im Rentenalter so unglaublich wichtig geworden sind. Zudem sollte klar sein, dass die institutionellen Investoren mit hoher Wahrscheinlichkeit Schlupflöcher für Transaktionen untereinander finden und mindestens zum Teil an der Steuer vorbeikommen sollten.
Und was ist mit dem Leerverkaufs-Verbot ungedeckter Anleihen und Aktien? Meiner Meinung nach generell völlig in Ordnung, schließlich erhöhen sich durch einen ungedeckten Leerverkauf die im Umlauf befindlichen Wertpapiere und üben auf diese Weise Druck auf die jeweilige Gattung aus. Self-fulfilling prophecy.
Wichtig ist hierbei jedoch die Unterscheidung zu gedeckten Leerverkäufen. Letztere sind ein wichtiger Teil des Preisbildungsprozesses und leisten über höhere Liquidität einen Beitrag zu mehr Transparenz und Effizienz auf den Märkten. Es wäre falsch, hier alles über einen Kamm zu scheren und aus reinem Aktionismus heraus auch die gedeckten Leerverkäufe zu untersagen.
Fazit: Insgesamt dürfte sich die deutsche Regierung mit dem Alleingang in Sachen Finanzmarktregulierung einen Bärendienst erwiesen haben. Die Wirkung des europäischen Rettungspakets von bis zu 750 Milliarden Euro, welches das Vertrauen in die angeschlagene Währungsunion wieder stärken sollte, verpuffte schnell nach den neuen Ankündigungen. Die Währungsunion steckt sowieso schon in ihrer größten Krise seit dem Bestehen, neue Unsicherheitsfaktoren sind da wenig angebracht. Hauptaufgabe muss es sein, die drohende Schuldenkrise zu bewältigen und Euro-Land wieder auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen.
Neue Regeln für den globalen Finanzmarkt sind generell natürlich absolut notwendig. Schließlich muss das verloren gegangene Vertrauen nach der Bankenkrise wiederhergestellt werden und zukünftige, ähnliche Probleme unbedingt vermieden werden. Allerdings sollten die Maßnahmen gut abgestimmt und überlegt sein. Einen voreiligen Rund-um-Schlag gegen Banken und Kapitalmärkte mit all den negativen Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft gilt es unbedingt zu vermeiden.
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Dipl.-Kaufmann
Bernd Raschkowski
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